23 December 2018

Timm Ulrichs
PRESS | Daniel A. Schacht "Skulptur von Timm Ulrichs steht groß wie nie zuvor in Einbeck"

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Timm Ulrichs will ja „das erste lebende Kunstwerk“ der Welt sein, und da er viel auf Reisen ist, verkörpert er damit auch stets bewegte Kunst. In jüngerer Zeit war er mehrfach in Südniedersachsen und damit nicht nur in Bewegung, sondern dort auch bewegend – durch Gespräche über Kunst mit Gymnasiasten der Stadt Einbeck. „Die sind ganz schön pfiffig“, sagt er, „aber ich bin ja ziemlich ausgebufft, und kann kontra geben.“

Ausgebufft ist der mittlerweile 78-Jährige, meist zwischen Münster, Berlin und Hannover pendelnde Timm Ulrichs – der immerhin die Konzeptkunst erfunden hat, als Kuratoren noch nicht einmal dieses Wort dafür gefunden hatten – ganz ohne Zweifel. So ausgebufft, dass der Originalkünstler in Einbeck für ein Originalkunstwerk gefeiert wurde: „Von Null bis Unendlich“, seine je nach dem Betrachtungswinkel eine Null oder ein Unendlichzeichen zeigende Skulptur, steht jetzt auf gut zwei Meter hohen Stützen rund fünf Meter breit im historischen Zentrum der Bier- und Fachwerkstadt. Die Skulptur ist überdies auf einer kreisenden Plattform installiert, soll also nicht nur Menschen bewegen, sondern bewegt sich auch selbst, ganz genau so wie ihr Schöpfer.

Alle vor Ort gewonnenen Erfahrungen habe Ulrichs in diese Arbeit mit dem frappierenden Vexierbildeffekt einfließen lassen, lobte jetzt im altehrwürdigen Einbecker Rathaus der örtliche Kunstfürsprecher Günter Dietzek, weshalb das Artefakt „passgenau“ für die Stadt sei. Der Künstler selbst warf zwar keck die Frage auf, ob umgekehrt Einbeckpassgenau für sein Kunstwerk sei. Er erläuterte in der Saatgutstadt, die Einbeck ja auch ist, dann aber ganz konziliant, die Skulptur solle für ein Nachdenken über Zeitlich- und Unendlichkeit „der Keim, das Saatgut sozusagen“ sein.

Der erste Entwurf dieses Werks ist tatsächlich schon gut 30 Jahre alt. Damals, 1987, hatte Ulrichs „Von Null bis Unendlich“ erfolglos bei einen Kunstwettbewerb in Freiburg eingereicht. Pech für Freiburg, Glück für Einbeck: Jetzt steht die Arbeit dort so riesig wie noch nie und erstmals als Kunst im öffentlichen Raum.

Für perfekten Kunstgenuss begeben sich Ortskundige übrigens auf die leicht ansteigende Pastorenstraße und betrachten das Artefakt aus einiger Entfernung. Denn in unmittelbarer Nähe des Kunstwerks stellt sich dessen Vexierbildeffekt wegen der hohen Stützen allenfalls für die Goliaths unter den Kunstconnaisseuren ein.

Leichter haben es da Timm-Ulrichs-Fans, die sich „Von Null bis Unendlich“ im Kunstverein Hannover anschauen. Denn dort gibt es das Artefakt als Jahresgabe in handlicher 25-Zentimeter-Höhe auf edlem Sockel zu betrachten oder für 900 Euro (1100 Euro für Nichtmitglieder des Kunstvereins) zu erwerben. Acht Exemplare der 25-er Edition sind schon verkauft. Drehen muss man das Ding dann allerdings selbst.

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