18 September 2017

Louisa Clement
PRESS | Ute Thon: Gute Kunst, schreckliches Publikum

art - Das Kunstmagazin

Art Berlin 2017

Gute Kunst, schreckliches Publikum

Ein Galerist schimpfte ganz unverhohlen über die Besucher, andere freuten sich über gute Umsätze. Als Verkaufsshow hat die neue Art Berlin noch Luft nach oben. Trotzdem freuen sich alle, dass es in der Haupstadt wieder eine große klassische Kojenmesse gibt.

So, jetzt ist es also amtlich. Berlin hat wieder eine Kunstmesse! Eine, die aussieht, wie eine stink normale Kunstmesse: weiße Stellwände, kleine und große Kojen, bunt zusammengewürfelte Gegenwartskunst in mittlerer und gehobener Preisklasse, Galeristen aus nah und fern mit iPads und Preislisten, lässiges Publikum, altbekannte Gesichter (Eva & Adele lassen grüßen), überteuerter Gastroservice.

Und darüber scheint man in der Hauptstadt so beglückt, dass man das Ganze sogleich als großartigen Neustart feiert. Dabei ist die Art Berlin – ein Zusammenschluss von Art Cologne und ABC – die am Sonntag in der Station am Gleisdreieck mit 33 000 Besuchern und “guten Verkäufen” zu Ende ging, keine Neuerfindung, sondern der Wiedergänger des Art Forum Berlin, einer anderen, gar nicht so schlechten Kunstmesse, die irgendwann eingestampft wurde, weil sie Teilen der Berliner Szene plötzlich nicht mehr cool und edgy genug erschien. Zu messemäßig eben.

Sechs Jahre später nun siegt die Einsicht, dass eine Kunstmesse aussehen muss wie eine Kunstmesse – und nicht vortäuschen sollte, eine kuratierte Ausstellung zu sein. Die ABC, das Vorgängerformat der Art Berlin, wollte genau das. Sie forderte von den Galerien Einzelpräsentationen ohne Kojenstruktur, was zu einem unübersichtlichen Kunstparcours führte, auf dem es viel zu Gucken gab, aber wenig verkauft wurde. Jetzt durften die Aussteller wieder mitbringen, was ihnen beliebt.

Von den 110 teilnehmenden Galerien entschieden sich die meisten für einen bunten Mix aus dem Galerieprogramm. Johann König hatte Arbeiten von Alicia Kwade, Camille Henrot und Norbert Bisky im Gepäck, Eigen & Art präsentierte Bilder von Tim Eitel, Martin Eder, David Schnell und Nicola Samori. Und Jan Wentrup zeigte Werke der Documenta-Künstlerin Nevin Aladag, eine Säule aus gebogenen Vinylplatten von Gregor Hildebrand und ein Schlackefeld von Galeriekünstlerin Luisa Clement – eine der wenigen politischen Arbeiten auf der Messe. Die schrundigen Gesteinsbrocken sind Überreste von vernichtetem Giftgas aus dem Arsenal des syrischen Herrschers Bashar Al-Assad.

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